
Ich bin in Wien geboren, als älteste Tochter in eine Großfamilie mit slawischen Wurzeln.
Ich bin Kind dieser Stadt.
Der Vater Auslagendekorateur, sein Bruder malte Stillleben, eine Schwester Bauernmalerei.
Mutter brachte uns in die Theater! Und ließ mich ziehen.
Nun, schon früh durchstreifte ich die Gassen, Museen, Kirchen und Palais – und die Praterauen.
A bisserl Stadt – a bisserl Land.
A bisserl Berg – a bisserl See.
Tag und Nacht.
Römer und Kelten.
Kaiser und Bettler.
Oper und Wurstelprater.
Spiritualität und Bigotterie.
Licht und Schatten – und in ihrer Mitte der Mensch.
Früh bekam ich den ersten Fotoapparat.
Auf meinem ersten Portrait war die Pestsäule in Krems größer als mein Opapa.
Aber dann …
Als Kind zeichnete ich Strichmännchen und Figuren mit Wasserfarben, in denen sich alle wiedererkannten.
In der 5. Schulstufe ein akademischer Maler – Prof. Eibensteiner – als Zeichenlehrer. Er hat uns verschiedene Techniken, Papiere, Linoldruck usw. nahegebracht. Und er hat uns Künstler vorgestellt: Leonardo, Michelangelo, Goya, Bosch, Breughel, waren die ersten.
Ein Universum wurde mir geöffnet!
Seither sehe ich auch die Dämonen, Monster, und alle die, die sich dem freien Auge entziehen, die aber immer schon in Gemälden eingefangen wurden.
Bei Tomas Nittner lernte ich malen mit Ölfarbe,
schuf Stil-leben.
Bei Gerhard Marquart belegte ich Kurse für Aquarellzeichnen.
So wurden aus den Bleistiftskizzen – Aquarellskizzen.
Ich habe meine Ausdrucksmöglichkeit gefunden.
Ich zeichne:
die Achs aus „unter jedem Dach ein Ach“.
Die Gedanken, die zehn Mal gedacht zu atmen beginnen und genährt werden wollen.
Die Eigenschaften, die Laster – die wir verstecken – ihre Augen, ihre Farbe, ihren Geruch.
Die Gesichter und Augen der Angst, der Wut, der Trauer, der Gefühle.
Die Wesen, die in der Nahrungskette über dem Menschen stehen.
Die, an die manch einer sein Leben verpulvert.
Die, dem manch einer dient, während er wähnt frei zu sein.
Der Mensch ist ein mikrokosmisches Wesen – sagt auch Paracelsius,
Ein mikrokosmisches Wesen mit „Blinden Passagieren“, die mache ich sichtbar, die fange ich ein,
damit sie ihre Macht verlieren. Damit ein Raum frei wird, für eine eigene Entscheidung.
Für wen ich zeichne?
Für die, die ahnen, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt.
Die wie ich „ein kleines Gruseln“ haben.
Die an ihrem Verstand zweifeln.
Für die, die am Ende des Tages „Nicht mehr wissen ob sie ein Mandl oder ein Weibl sind“ – Aber diesen Zustand gar nicht gut finden.
Für die, die schmunzeln wollen – oder auch laut lachen.